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Augen auf beim Wohnungskauf – diese Fehler kosten Käufer fünfstellige Beträge

Der Kauf einer Eigentumswohnung ist für viele Menschen eine der größten finanziellen Entscheidungen ihres Lebens. Umso erstaunlicher ist, wie oft Käufer Verträge unterschreiben, ohne die rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen vollständig zu überblicken. Der Grund ist selten Leichtsinn – meist ist es Zeitdruck, emotionale Bindung oder schlicht fehlende Erfahrung.Was viele nicht wissen: Die teuersten Fehler passieren nicht nach dem Kauf, sondern davor. Und sie lassen sich in den meisten Fällen vermeiden – wenn Du weißt, worauf Du achten musst.

In diesem Artikel zeigen wir Dir die häufigsten und kostspieligsten Fehler beim Wohnungskauf, erklären die rechtlichen Hintergründe verständlich und geben Dir konkrete Hinweise, wie Du Dich schützen kannst.

1. Kaufvertrag unterschrieben, ohne ihn wirklich zu verstehen

Der notarielle Kaufvertrag ist kein schlichtes Formular, sondern DAS zentrale rechtliche Fundament Deines Wohnungskaufs. Trotzdem verlassen sich viele Käufer darauf, dass der Notar „schon aufpasst“ oder dass der Vertrag „schon Standard“ sei. Das ist ein gefährlicher und vermeidbarer Irrtum. Der Notar ist zur Neutralität verpflichtet. Er erklärt, er berät aber nicht einseitig in Deinem Interesse. Klauseln, die für Dich wirtschaftlich nachteilig sind, können daher völlig wirksam sein – selbst wenn Du ihre Tragweite nicht erkannt hast.

Typische Risiken im Kaufvertrag:

  • weitgehender Haftungsausschluss für Mängel
  • unklare Regelungen zur Übergabe
  • fehlende Rücktrittsrechte bei Finanzierungsproblemen
  • pauschale Übernahme von Kosten und Risiken

Ein einziger ungünstiger Satz kann Dich später mehrere zehntausend Euro kosten.

2. Versteckte Mängel – und plötzlich stehst Du allein da

Ein Klassiker: Nach dem Einzug zeigen sich Feuchtigkeit, Schimmel, undichte Fenster oder Probleme mit der Haustechnik. Der Verkäufer verweist auf den Haftungsausschluss im Vertrag – und plötzlich bist Du auf den Kosten sitzen geblieben.

Grundsätzlich gilt:
Beim Kauf einer gebrauchten Wohnung wird die Haftung für Sachmängel meist ausgeschlossen. Das bedeutet:
👉 Nicht jeder Mangel berechtigt zu Rücktritt, Minderung oder Schadensersatz.

Eine Ausnahme gilt nur, wenn:

  • der Verkäufer Mängel arglistig verschwiegen hat
  • oder ausdrücklich eine Beschaffenheit zugesichert wurde

Das Problem: Arglist ist schwer zu beweisen. Ohne vorherige Prüfung der Unterlagen, Protokolle und Bauhistorie ist Deine Position als Käufer und Anspruchsteller oft schwach.

3. Die Wohnung gekauft – aber die WEG übersehen

Viele Käufer konzentrieren sich ausschließlich auf „ihre“ Wohnung und vergessen dabei, dass sie Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) werden. Auch das kann jedoch teuer werden. Was häufig übersehen wird:

  • marode Dächer oder Fassaden
  • zu geringe Instandhaltungsrücklagen
  • laufende oder geplante Sonderumlagen
  • Streitigkeiten innerhalb der WEG

Diese Punkte findest Du nicht im Exposé, sondern in:

  • Protokollen der Eigentümerversammlungen
  • der Teilungserklärung
  • dem Wirtschaftsplan

Eine Sonderumlage von 20.000 oder 30.000 Euro pro Eigentümer ist keine Seltenheit – und rechtlich meist nicht zu vermeiden.

4. Zeitdruck durch Makler oder Verkäufer

„Es gibt noch mehrere Interessenten.“
„Wenn Du heute nicht zusagst, ist die Wohnung morgen weg.“

Solche Aussagen erzeugen enormen Druck – und führen dazu, dass Käufer auf eine gründliche Prüfung des Rechtsgeschäfts verzichten. Juristisch ist das besonders problematisch, weil:

  • nach dem Notartermin kein Widerrufsrecht besteht
  • spätere Einwände oft ins Leere laufen
  • emotionale Entscheidungen selten gute rechtliche Entscheidungen sind

Zeitdruck ist daher einer der teuersten Ratgeber beim Immobilienkauf.

5. Finanzierung nicht wasserdicht geklärt

Ein weiterer häufiger Fehler: Der Kaufvertrag wird unterschrieben, obwohl die Finanzierung noch nicht verbindlich steht.

Platzt die Finanzierung nach dem Notartermin, kann das gravierende Folgen haben:

  • Schadensersatzansprüche des Verkäufers
  • Maklerprovision trotzdem fällig
  • Verlust von Anzahlungen

Ein Finanzierungsvorbehalt im Vertrag kann helfen – wenn er sauber formuliert ist. Pauschale Klauseln reichen oft nicht aus.

6. Wohnfläche, Baujahr, Ausstattung – falsche Angaben ungeprüft übernommen

Viele Käufer verlassen sich auf Angaben im Exposé oder auf mündliche Zusicherungen. Doch rechtlich zählt am Ende vor allem eines: Was steht im Kaufvertrag?

Besonders problematisch:

  • falsche Wohnflächenangaben
  • unzutreffendes Baujahr
  • angeblich „saniert“, ohne klare Definition
  • nicht genehmigte Umbauten

Weicht die tatsächliche Wohnfläche erheblich ab, kann das zwar Rechte auslösen – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Auch hier entscheidet der Vertrag.

7. Die Nebenkosten des Kaufs unterschätzt

Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Wahrheit. Viele Käufer kalkulieren zu knapp und geraten später finanziell unter Druck.

Zu den typischen Zusatzkosten gehören:

  • Grunderwerbsteuer
  • Notar- und Grundbuchkosten
  • Maklerprovision
  • Renovierungs- und Modernisierungskosten
  • Kosten der WEG (Rücklagen, Sonderumlagen)

Wer hier nicht realistisch rechnet, zahlt später drauf.

8. Keine rechtliche Prüfung vor dem Kauf

Vielleicht der größte Fehler von allen:
Der Kaufvertrag wird nicht vorab rechtlich geprüft, und das obwohl es um hohe Summen geht.

Dabei kann ein fachkundiger Blick auf den Vertrag:

  • riskante Klauseln entschärfen
  • Haftungsfallen frühzeitig aufdecken
  • Nachverhandlungen ermöglichen
  • Dir eine fundierte Entscheidungsgrundlage geben

Die Kosten einer Prüfung stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen Schäden, die dadurch verhindert werden.

Fazit: Die teuersten Fehler wären eigentlich vermeidbar

Ein Wohnungskauf muss kein Risiko sein – aber er ist es dann, wenn Du Dich als Käufer allein auf Gefühl, Zeitdruck oder vermeintliche Standards verlässt.

Wenn Du eines aus diesem Artikel mitnimmst, dann dies:

Nicht der Kauf selbst ist gefährlich – sondern die Unwissenheit davor.

Je besser Du vorbereitet bist, desto entspannter kannst Du entscheiden – und desto geringer ist das Risiko, dass Dein Traum vom Eigentum zur finanziellen Belastung wird.